Themen rund um unsere Tauben
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Auszug aus dem "Gutachten zur Auslegung von § 11b Tierschutzgesetz (Verbot von Qualzüchtungen) vom 02.06.99" mit Stellungnahme des Sondervereins
2.2.2.1.3 "Dominant-Opal"

Definition:

Dominant-Opal bewirkt bei Heterozygotie eine Aufhellung der Gefiederfärbung sowie weiße Flügelbinden mit gleichzeitiger Ausbleichung des Großgefieders (Farbschläge z. B. hellblau mit weißen Binden, isabell mit weißen Binden).

Vorkommen:

Färbungsvariante bei zahlreichen Haustaubenrassen.

Genetik:

Autosomal unvollständig dominant mit variabler Expressivität.

Symptomatik:

Für Dominant-Opal homozygote Tiere sterben zum überwiegenden Teil gegen Ende der Bebrütungsdauer im Ei ab. Überlebende homozygote Tiere weisen häufig starkes Kopfzittern auf und erreichen meist nicht die Geschlechtsreife. Für heterozygote Genträger sind bisher keine Defekte beschrieben.

Empfehlung:

Verbot der Verpaarung von Tauben, die beide das "Dominant-Opal"-Gen besitzen. Toleriert werden können nur Verpaarungen solcher Tauben mit Tieren ohne das "Dominant-Opal"-Gen, da der Züchter sonst damit rechnen muß, daß bei der Nachzucht oben genannte Schäden auftreten (siehe auch Seite 14, Nr. I). Verpaarungen von Trägern des Defektgens untereinander müssen durch geeignete Unterbringungsmaßnahmen (z. B. ausschließliche Haltung von Trägern des Defektgens des gleichen Geschlechts im Zuchtschlag) ausgeschlossen werden. Diese Empfehlungen müssen von den Zuchtverbänden an die von ihnen betreuten Züchter in geeigneter Weise belegbar weitergegeben werden.

Literatur:

SELL, A. (1995): Tauben: Züchten mit System. Oertel u. Spörer, Reutlingen. SCHREIBER, W. (1996): Isabelle Brünner Kröpfer. Brünner Kröpfer aktuell, 57-59. VOGEL, C. (1992): Tauben. Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin.

Anmerkung des SV:

Dieser Punkt betrifft die Züchter des Farbenschlags Isabell mit weißen Binden. Seitdem man die genetischen Zusammenhänge und die Vererbungsvorgänge hier kennt, wurden die Züchter durch den SV auf die letale Wirkung des Dominant-Opal-Faktors hingewiesen. Die Lösung zur Vermeidung dieser angesprochene Ausfälle liegt in der Verpaarung von Merkmalsträgern (Tiere mit dem Faktor Dominant Opal) mit sogenannten Nicht-Merkmalsträgern (Tiere ohne den Faktor Dominant-Opal). Diese Zuchtempfehlung wird seit Aufkommen der Qualzuchtdiskussion von den Züchtern unserer Rasse meines Wissens (Zuchtwart) konsequent umgesetzt. Außerdem wurde und wird auf die räumliche Trennung von Merkmalsträgern unterschiedlichen Geschlechts zwecks des evtl. Risikos der Fremdbefruchtung hingewiesen. Dieses Vorgehen bietet sich schon deswegen an, weil sich bei der Nachzucht der gleiche rechnerische Anteil (50%) von isabellen Tieren, wie bei der Verpaarung von zwei Merkmalsträgern, ergibt. Die zweite Hälfte der sogenannten Nichtmerkmalsträger kann aber zum Vorteil des Züchters auch auf Typ, rassetypisches Temperament, körperliche und geistige Frische selektiert werden und bringt somit den Züchter aufgrund der größeren Nachzucht schneller zum Ziel als der früher beschrittene Weg. Die Konkurrenz in diesem Farbenschlag ist mittlerweile so groß, daß jeder die empfohlene Verpaarung vornimmt um auch auf eine ausreichende Anzahl qualitativ guter Jungtiere zu kommen.




2.2.2.2 Oligogen oder polygen vererbte Merkmale

2.2.2.2.1 Befiederung von Läufen und Zehen


Definition:

Die Fußbefiederung bei Haustauben äußert sich in zahlreichen Ausprägungsgraden und kann in Größe und Form bei den verschiedenen Rassen beträchtlich variieren. "Bestrümpfte" Formen weisen lediglich mit kurzen Konturfedern bedeckte Läufe auf während viele Farben-, Kropf- und Trommeltauben ausgeprägte "Latschenbildungen" an den Füßen zeigen.

Vorkommen:

Merkmal zahlreicher Haustaubenrassen. Genetik: Die starke Belatschung verschiedener Rassen wird auf das Zusammenwirken der Erbanlagen "Grouse" und "Slipper" zurückgeführt, die jede für sich lediglich eine spärliche Fußbefiederung bedingen sollen.

Symptomatik:

Der Grad der Behinderung steht in direktem Zusammenhang mit dem Ausmaß der Laufbefiederung. Stark belatschte Rassen sind vergleichsweise unbeholfen und bei Freiflughaltung witterungsanfällig. Desweiteren soll ausgeprägte Fußbefiederung Parasitenbefall begünstigen. Für die Fortpflanzung sind stark belatschte Rassen ebenfalls auf menschliche Eingriffe angewiesen. Eier bzw. kleine Nestlinge können in der Fußbefiederung hängen bleiben und beim Verlassen des Nestes durch die Elterntiere herausgetragen werden, da federfüßige Haustaubenrassen bislang kein besonderes Verhalten am Nest entwickelt haben, das einen Fortpflanzungserfolg ohne menschliche Eingriffe garantiert. Um eine Vermehrung zu gewährleisten, wird den Tieren daher zu Beginn der Brutsaison i. d. R. die Fußbefiederung stark beschnitten. Infolge gestörter entwicklungsphysiologischer Vorgänge in der Federbildung kann sich der Ausreifungsprozeß der Feder verzögern. Dadurch ist die Federanlage mit ihrer gut vaskularisierten Federpulpa ("Blutkiel") gerade bei weit abstehenden Latschenfedern einem erhöhten Risiko mechanischer Beschädigung ausgesetzt, was Blutungen zur Folge haben kann.

Empfehlung:

Begrenzung der Fußbefiederung auf ein Ausmaß, welches keine Verhaltens- und Lokomotionsbeeinträchtigungen in sich bergen darf, da diese zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen können. Bis in der Zuchtpopulation ein mit Bedarfsdeckung, Schadensvermeidung und Fortpflanzung vereinbarer Ausprägungsgrad der Fußbefiederung durch züchterische Maßnahmen erreicht wird, muß bei den betroffenen Individuen durch Beschneiden der ausdifferenzierten, vollständig verhornten Befiederung abgeholfen werden.

Literatur:

NICOLAI, J. (1976): Evolutive Neuerungen in der Balz von Haustaubenrassen (Columba livia var. domestica) als Ergebnis menschlicher Zuchtwahl. Z. Tierpsychol. 40, 225-243. SELL, A. (1994): Handbuch der Tauben. Band 1: Zucht und Vererbung bei Tauben. Schober, Hengersberg. VOGEL, C. (1983): Die Taube - Taubenkrankheiten. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin.

Anmerkung des SV:

Der Sächsische Kröpfer hat eine mittellange Fußbefiederung. Schon seit Jahren ist es das Zuchtziel des SV und seiner Mitglieder die sogenannten Latschen gut überbaut und seitlich gerundet bei den Tieren zu präsentieren, damit das Tier hier in seinem Bewegungsablauf nicht behindert ist. Wir werden hiermit der Forderung nach einer "Begrenzung der Fußbefiederung auf ein Ausmaß, welches keine Verhaltens- und Lokomotionsbeeinträchtigungen in sich bergen darf, da diese zu Schmerzen und Leiden oder Schäden führen können" gerecht. Latschen mit nach vorne spießenden Federn sind in den letzten Jahren fast gänzlich aus den Zuchten und Ausstellungskäfigen verschwunden. Außerdem wird ein harmonischer Übergang von den Latschen- zu den Geierfedern angestrebt. Die Preisrichter legen bei ihrer Richterarbeit hierauf verstärkt wert und Tiere mit fehlerhaftem Aufbau werden in der Note konsequent zurück gesetzt. Der SV konnte also hier durch die Sensibilisierung seiner Sonderrichter und durch kritische Tierbesprechungen auf dieses Problem einwirken. Unser Kröpfer ist bestimmt nicht witterungsanfällig und auch problemlos im Freiflug zu halten, was mehrere Zuchten im SV durch diese Haltung beweisen. Die richtige Fußbelatschung bereitete ihm hierbei unseres Wissens nie Probleme, diese wird von der Taube im Rahmen der Gefiederpflege mit gepflegt und unterliegt lediglich den ganz normalen Abnutzungserscheinungen. Auch haben unsere Züchter noch nie die Beobachtung eines verstärkten Parasitenbefalls aufgrund dieses Merkmals feststellen können. Die Zucht von Rassen mit Fußbefiederung ist etwas aufwendiger, aber hauptsächlich deswegen, weil belatschte Rassen in der Zucht etwas höhere Ansprüche an eine artgerechte Unterbringung stellen (siehe hierzu auch den Beitrag "Pflege und Haltung belatschter Tauben" in unserer Homepage), aber diese beschränkt sich vor allem auf die etwas großzügigeren Maße der Zuchtzellen, Hocker und Nistschüsseln. Die Eier und späteren Jungen befinden sich während der Brut und Aufzucht zwischen den Zehen der Taube. Dieser Bereich ist nicht befiedert und somit kommt weder das Gelege noch die Nachzucht mit der Fußbelatschung oft in Kontakt. Ausreichend große und besonders tiefe Nistzellen bewirken, daß sich die Tiere ungestört bewegen können und eine ausreichend große Nistschüssel bzw. die dargebotene Möglichkeit des selbständigen Nestbaus ermöglichen einen reibungslosen Zuchtverlauf. Eine gute Fortpflanzungsfähigkeit und eine gute Versorgung der eigenen Nachzucht sehen der SV und die Züchter schon immer als Zuchtziel an und bleibt bei dieser Rasse eine Selbstverständlichkeit. Die Verwendung von Ammentauben wurde bis heute nie planmäßig praktiziert! Das Hängenbleiben von Eiern und kleinen Nestlingen erfolgt auch bei glattfüssigen Tauben. Die Jungtiere kleben jedoch fast nie an der Fußbefiederung, sondern meist am Bauchgefieder des Alttieres an und werden somit beim Verlassen der Brut aus dem Nest gezogen. Zu erwähnen ist, daß rassetypische Sächsische Kröpfer, die im Freiflug mit Brieftauben und andere fluggewandten Rassen gehalten wurden, den gleichen Fortpflanzungserfolg wie die übrigen Rassen erzielten, ohne auf die angesprochenen "menschliche Eingriffe angewiesen" gewesen zu sein. Eine evtl. Beschneidung der Fußbefiederung geschieht eigentlich immer bei einer vollständig verhornten Feder, da diese im Frühjahr vor Zuchtbeginn und längst beendeter Mauser erfolgt.




2.2.2.3.2 Hypertrophiertes Imponierverhalten

Definition:

Züchterisch geförderte Verhaltenshypertrophie, die sich in einem übersteigerten Aufblasen des Kropfes mit Luft äußert.

Vorkommen:

Namensgebendes Merkmal für die Rassengruppe der Kropftauben oder Kröpfer.

Genetik:

Keine zuverlässigen Angaben über den Erbgang verfügbar.

Symptomatik:

Beeinträchtigung der normalen Kropfphysiologie. Durch erweiterte Kropfsäcke ("Hängekropf`) besteht eine Disposition zu Kropfwandentzündungen infolge Fehlgärung, Säuerung und Fäulnisbildung von Kropfinhalt, die eine entsprechende tierärztliche Behandlung erforderlich machen (V=GEL, 1983; GERLACH, 1994).

Empfehlung:

Vermeidung von Übertypisierungen, speziell von Kropfformen, die für das Auftreten von Kropfwandentzündungen prädisponieren. Zuchtverbot für Tiere mit dilatierten Kropfsäcken (siehe auch Seite 14, Nr. I). Vorrangig muß bei der Zucht auf den Erhalt der vollen Funktionalität von Körper- teilen und Organen geachtet werden (siehe auch Seite 14 Nr. I, Ha). Es wird darüber hinaus dringend empfohlen, nicht auf Merkmale zu züchten, die zu einer erhöhten Belastungsanfälligkeit führen.

Literatur:

GERLACH, H. (1994): Zuchtbedingte Anomalien bei Ziervögeln. Tierärztl. Prax. 22, 319-323. HILGER, R (1981): Hängekropf bei Kropftauben. Deutscher Kleintier-Züchter 90, Nr. 23, 13. KOCH, P. (1987): Abhilfe beim Hängekropf. Geflügel-Börse 108, Nr. 14, 10. KOCH, P. (1987): Hängekropf bei Kropftauben und seine Abhilfe. Deutscher Kleintier-Züchter 96, Nr. 10, 19.

Anmerkung des SV:

Der Sächsische Kröpfer hat einen birnenförmigen Kropf, der an der Brust sichtbar absetzt, nicht schnürt, aber dennoch eine Taille sichtbar werden läßt. Diese Rasse hat ein normales Kropfvolumen, welches die oben genannte Problematik des Senk- oder Hängekropfs bei richtiger Haltung und Fütterung extrem gering hält. Auch hier hat der SV schon seit Jahren das Zuchtziel, daß der Sächsische Kröpfer in seinem Lebensalltag über ein kontrollierbares Blaswerk verfügen (Blasen/Luftablassen) soll, das ihn nicht behindert. Dieses angestrebte Zuchtziel wird somit dem geforderten Punkten "Vorrangig muß bei der Zucht auf den Erhalt der vollen Funktionalität von Körperteilen und Organen geachtet werden. Es wird darüber hinaus dringend empfohlen, nicht auf Merkmale zu züchten, die zu einer erhöhten Belastungsanfälligkeit führen" gerecht.



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