Entstehung des Sächsischen Kröpfers / Sondervereines

Unsere Rasse, die Sächsischen Kröpfer, läßt sich etwa 2 Jahrhunderte zurückverfolgen. So werden im "Ulmer Taubenbuch" 1777 bereits Kröpfer in der Isabellenfarbe erwähnt, aber Rassen in unserem heutigen Sinne gab es damals noch nicht. "Im Neumeister" (erste Ausgabe 1837), später umgearbeitet von Prütz (1876) findet man die ersten farbigen Abbildungen, und zwar in Blau mit weißen Binden, Isabell, Schwarz, Weiß und Rot sowie in Elsterzeichnung, also haben Sächsische- und Verkehrtflügelkröpfer gemeinsame Ahnen. Sowohl bei Prütz als auch bei Brehm, der 1857 die gleichen Farbenschläge beschreibt, wurde immer noch vom holländischen Kröpfer gesprochen, was aber selbst von Holländern (Spruijt) als falsch bezeichnet wird und bestenfalls daraufhindeutet, daß eine Verknüpfung Holländischer Kropftauben, Prager Kröpfer und Brünner Kröpfer vorhanden ist. Völlig durchgesetzt hat sich der Name Sächsische Kröpfer erst zwischen 1920 und 1930.

Die Isabellen waren lange Zeit der bekannteste und wohl auch der begehrteste Farbenschlag, den sich vor allem gut betuchte Leute, wie Hugo de Roi, Braunschweig, ehemals Präsident des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter, leisten konnte. Vielleicht war das der Grund, daß die Rasse trotz ihrer vielgerühmten Schönheit immer selten blieb. Die übrigen Farbenschläge waren lange immer nur Rarität.

Erst um die Mitte der zwanziger Jahre, als sich einige fähige Züchter aus Sachsen der Rasse angenommen hatten, kam Schwung in die Sache. Stellvertretend seien hier Adam/Weinböhla, Herrmann/Kötzschenbroda, Kaul/Eibau und Haufe/Schmölln genannt, die im Jahre 1926 in Dresden auf Anregung des bekannten Sächsischen Taubenkenners Albin Prößdorf/Lausen beschlossen, die Vereinigung der Züchter der Sächsischen Kröpfer zu gründen. Aus dieser Zeit gibt es noch einen Brief von A. Prößdorf, in dem die Gründung dokumentiert ist. Hier gibt es eine interessante Parallele: Bei der Nationalen in Dortmund 1968 trafen sich an den Käfigen der Sächsischen Kröpfer die Züchter M. Lindner, E. Meckenstock und H. und W. Koch und beschlossen, die bis dahin kaum bekannte Rasse durch Gründung eines Sondervereins in Westdeutschland aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Im Januar 1927 wurde in Leipzig von den oben genannten Züchtern, zu denen sich noch Benndorf/Brandis, Schlegel/Naunhof, Martin/Gera, Walter Zeuner/Niederpickenhein und Piehler/Langen-Reinsdorf gesellten, die Vereinigung der Züchter der Sächsischen Kröpfer gegründet. Zum Vorsitzenden wurde A. Prößdorf gewählt. Eine weitere Parallele: Eine Zahl, die kaum jemand erwartet hatte, so konnten wir in Köln 1969 die für uns unfaßbare Anzahl von 110 Sächsische Kröpfer der erstaunten Fachwelt vorführen.

In den 10 Jahren bis zum Ausbruch des Krieges waren die Isabellen des Züchters Adam, Weinböhla das Maß aller Dinge, ohne die Verdienste der anderen Züchter schmälern zu wollen. So konnte er nicht nur in Leipzig zur Lipsia, sondern auch in Hannover zur Jung-Geflügelschau mit seinen Tieren hohe und höchste Auszeichnungen erringen. Die Lipsiakataloge aus den Jahren 1929 und 1932, erlauben einen Überblick über die damaligen Verhältnisse. So standen 1929 76 Sächsische Kröpfer zur Schau: 43 Isabellen (davon 20 von W. Adam), 14 Weiße, 3 Blau mit weißen Binden, 3 Schwarze mit weißen binden, 2 Gelbe mit weißen Binden, 7 Rote und 4 Gelbe.1932 waren es 54 Tiere. 28 Isabellen (wieder 20 von Adam), 20 Weiße, 2 Blaue, 1 Blaugehämmerte, 3 Fahle mit Binden. Unter den Ausstellern waren wieder bekannte Namen wie Herrmann, Zeuner, Kaul und Piehler.

Der Krieg bedeutete dann wie für viele andere Geflügelrassen fast das Ende. In Sachsen sowie in Niedersachsen am Harzrand überlebten einige wenige Exemplare der Rasse. Wieder war es Albin Prößdorf, der zwar nur theoretische Hilfe leisten konnte, aber immerhin dafür sorgte, daß durch Einkreuzungen von Verkehrtflügelkröpfern die kritische Phase zur Erhaltung der Rasse überbrückt werden konnte. In den ersten Nachkriegsjahren kam es mangels Züchtern und Tieren noch zu keinem neuen Vereinsleben. 1950 und 1951 fanden sich neue Interessenten. Zu einer von Prößdorf 1953 einberufenen Versammlung kamen 2 Mitglieder. Die nächste Versammlung fand 1954 statt. Aber erst 1955 in Altenburg fand die wirkliche Wiedererlebung als SZG statt.

Von diesem Jahr an liegen auch vollständige Protokolle der Jahreshauptversammlungen vor. Albin Prößdorf blieb bis zu seinem Tode 1962 Vorsitzender. Von ihm übernahm Felix Conrad den Vorsitz, um ihn 1966 an Friedrich Hofmann abzugeben. 1969 folgte ihm Klaus Dinger bis 1981, als ihn Alex Sporbert ablöste, der bis zur Vereinigung 1991 auch Obmann blieb.
Ebensowenig wie die wenigen Züchter in West und Ost von der Existenz oder gar vom Zuchtstand ihrer Farbenschläge im jeweiligen Teil Deutschlands Kenntnis hatten, wußten sie von dem Bestehen einer SZG oder eines inzwischen gegründeten S.V. Erst der Besuch einer Lipsia-Schau brachte spärliche Kontakte in Gang.

Aufgrund der völligen Isolierung der DDR war zu bemerken, daß trotz fast gleichen Standards das Erscheinungsbild der Tiere in der DDR und der Tiere im Westen nicht übereinstimmte. Die gesamten Umstände im Westen erlaubten doch einen leichteren Erwerb und Austausch von geeignetem Tiermaterial, so daß in puncto Schnittigkeit und Rassigkeit bei uns ein Vorsprung erreicht werden konnte. Nach dem Fall der Grenze hat aber bereits eine weitgehende Angleichung stattgefunden.

Die Bereitschaft, Zuchtfreunden mit Tieren auszuhelfen, wenn diese für die Zucht benötigt werden, ist seit Bestehen des S.V. eine Selbstverständlichkeit. Von diesem guten Ton konnten sich auch unsere Mitglieder aus den neuen Bundesländern überzeugen, sonst wären sie sicher nicht von Anfang an so zahlreich und freudig zu unseren gemeinsamen Veranstaltungen gekommen.